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Zur Geschichte des Historischen Vereins
für Nördlingen und das Ries

(Aus der Festschrift:
75 Jahre Historischer Verein für Nördlingen und das Ries 1911-1986,
Dr. Dietmar-H.Voges, Nördlingen 1986)


Vor fast genau 150 Jahren ist im fünften Heft der von J. F. Weng undJ. B. Guth herausgegebenen historisch statistischen Zeitschrift „Das Ries, wie es war, und wie es ist“ im Jahre 1837 zum ersten mal öffentlich angeregt und gefordert worden, einen historischen Verein für das Ries zu bilden. Dieser Verein sollte sich als Filialverein des Historischen Vereins des Rezatkreises mit Sitz in Ansbach verstehen und abwechselnd in den bedeutenderen Orten des Rieses wie Nördlingen, Oettingen, Harburg und Wallerstein, aber ebenso auch in Dinkelsbühl und Neresheim tagen. So weiträumig und großzügig wie auch nach Ziel und Satzung genau dieser Verein 1837 geplant und vorbereitet gewesen war, eine Gründungsversammlung oder gar die Gründung des Vereins kam offenbar weder unmittelbar in den Jahren danach noch auch in der Folgezeit zustande. Erst die historische Forschungsarbeit des fürstlich-oettingischen Archivars Eugen von Löffelholz und der Nördlinger Archivare und Bibliothekare, des Geheimrates Dr. Ludwig Müller (1831-1910) und des Hofrates Christian Mayer (1828-1910), sowie die deutsche Reichsgründung 1871 mit ihren Auswirkungen haben den Boden historischen Verständnisses in Nördlingen und im Ries so aufbereitet, dass1911 die Gründung eines historischen Vereins einem allgemeinen Verlangen entsprochen zu haben scheint.

Eingeladen durch einen Aufruf in den beiden örtlichen Zeitungen, für den der städtische Archivar Gymnasialprofessor Ludwig Mußgnug (1860-1935) verantwortlich zeichnete, trafen sich am 20. März 1911 in Nördlingen im Goldenen Rad 24 Interessenten (zusätzlich zehn schriftliche Einverständnisäußerungen) zu einer Vorbesprechung, der am 4. Mai 1911 die von 26 Personen besuchte Gründungsversammlung mit der Genehmigung der zuvor ausgearbeiteten Satzungen und der Wahl der ersten Vorstandschaft folgte. Mit dem Namen„Historischer Verein für Nördlingen und Umgebung“ sollte der Verein als selbständiger, in das amtliche Vereinsregister eingetragener Verein alle Geschichtsfreunde des Rieses gewinnen und in friedlichem und freundschaftlichem Wetteifer und mit gegenseitiger Unterstützung der benachbarten historischen Vereine die gemeinsame Aufgabe der Erhaltung altüberkommenen Kulturgutes und der Erforschung der Geschichte des Rieses nach Kräften fördern und vorantreiben. Als erster Vorstand wurde der ausschreibende Initiator Gymnasialprofessor und städtische Archivar Ludwig Mußgnug (1860-1935),als zweiter Vorstand Apotheker Dr. Ernst Frickhinger (1876-1940) gewählt,zum Schriftführer Apotheker Konrad Böhner, zum Kassier Privatier Otto Rehlen und als Beisitzer Fürstlicher Rat Dr. G. Grupp, Stadtpfarrer Dr. Th. Schmidt und Dekan und Stadtpfarrer K. Lamprecht. Durch ebenso intensive wie erfolgreiche Werbungen wuchs die Mitgliederzahl bis zur Gründungsversammlung am 4. Mai 1911 schon auf 69, bis zum 28. Mai auf 100, bis 22.Juli auf über 200 und bis zum Ende des ersten Vereinsjahres am 4. Mai 1912 auf 260 Mitglieder.

In diesem ersten Vereinsjahr wurden fünf Vorstandssitzungen abgehalten und vier öffentliche Vorträge durchgeführt, von denen zwei in Wallerstein wiederholt worden sind. Drei dieser Vorträge von L. Mußgnug, Dr. E. Frickhinger und Dr. A. Diemand sind im ersten Jahrbuch des Historischen Vereins, das schon ein Jahr nach der Vereinsgründung vorgelegt werden konnte, 1912 im Druck erschienen. Noch im ersten Vereinsjahr 1911/12 bildeten Bücherstiftungen den Grundstock der Vereinsbibliothek, die dann nach dem Erscheinendes ersten Jahrbuches seit 1912/13 durch den Tauschverkehr mit anderen Vereinen ohne finanziellen Mehraufwand beständig anwuchs. Fundstücke der von Dr. E. Frickhinger veranstalteten und geleiteten prähistorischen Grabungen im Ries wurden als Leihgaben dem Stadtmuseum Nördlingen zugeführt, so daß sich die Stadt bald veranlaßt sah, für diese wie auch für urgeschichtliche Funde eigene Museumsräume zu Verfügung zu stellen. Nach Ende des zweiten Vereinsjahres 1913 zählte der Historische Verein 296 Mitglieder und war mit 17 Vereinen einen Tauschverkehr eingegangen.

In diesen beiden ersten Vereinsjahren 1911-1913 wurden schon die Wesensmerkmale und Schwerpunkte der Tätigkeit des Historischen Vereins für Nördlingen und Umgebung deutlich:

Die enge personelle Verbindung mit dem Stadtarchiv, der Stadtbibliothek und dem Stadtmuseum in Nördlingen und mit den fürstlich-oettingischen Archiven und Sammlungen in Oettingen, Wallerstein und Maihingen (und später auf der Harburg).

 Die Herausgabe von Jahrbüchern des Historischen Vereins, in denen die an den archivalischen Quellen erarbeiteten Forschungsergebnisse der Orts-, Heimat- und Familiengeschichte, ganz allgemein der Geschichte des Rieses, einer breiten Öffentlichkeit des Rieses nicht allein in Vorträgen, Exkursionen und Besichtigungen vor Ort verständlich, sondern auch der überregionalen, universitären Geschichtsforschung durch ihre wissenschaftlich gediegene und verlässliche Publizierung zugänglich gemacht worden sind. - Nach dem 1. Jahrbuch 1912 sind anfangs bis 1941 fast in jährlicher Folge, später seit 1950 in größeren Zeitabständen bis 1985 insgesamt 27 Jahrbücher erschienen, deren umfangreiche Forschungsergebnisse zur Geschichte des Rieses aus den hier im nachfolgenden zweiten Teil gesammelt abgedruckten Inhaltsverzeichnissen aller27 Jahrbücher im Überblick sehr eindrucksvoll sichtbar werden. Zusätzlich sind mit wesentlicher Mitarbeit und Unterstützung 'durch den Historischen Verein für Nördlingen und das Ries in den Jahren 1952-1968 die vier Regestenbände der Urkunden der Stadt Nördlingen 1233-1449 von der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft herausgegeben worden, wodurch ähnlich wie1959 mit den Urkunden der fürstlich oettingischen Archive in Oettingen und Wallerstein ein sehr wertvoller und aussagekräftiger Archivbestand jedem Ge-schichtsforscher wie auch dem historisch interessierten Laien verständlich aufbereitet und erschlossen worden ist.

Die Erforschung der Geschichte des Rieses nicht allein anhand schriftlicher, archivalischer Quellen, sondern ebenso der Vor- und Frühgeschichte durch Ausgrabungen und Fundsicherungen, was in den fast 30 Jahren von 1911-1940 nach Durchführung und Erfolg einzig und allein möglich und abhängig gewesen ist von den anerkannt wissenschaftlichen Neigungen und Fähigkeiten von Dr. Ernst Frickhinger, der die Ergebnisse seiner Grabungen und Forschungen seit 1914 durch die Errichtung eines Vor- und Frühgeschichtlichen Museums in Nördlingen einer breiten Öffentlichkeit nahe bringen konnte. Bei der Neuaufstellung der Ausstellungsstücke des Stadtmuseums im ehemaligen Gebäude des Hospitals ist das von Dr. Ernst Frickhinger gegründete und eingerichtete Vor- und Frühgeschichtliche Museum seit 1958/1960 als besonders reichhaltige Abteilung mit dem Stadtmuseum Nördlingen vereint worden.

Ein reger Tauschverkehr der Vereinspublikationen mit anderen historischen Vereinen und Universitätsbibliotheken in nah und fern und damit zwangsläufig die Schaffung und Gewinnung einer Bibliothek des Historischen Vereins für Nördlingen und das Ries, deren umfangreiche Bestände nach einem 1954 mit der Stadt Nördlingen geschlossenen Vertrag in die wissenschaftliche Abteilung der Stadtbibliothek Nördlingen eingegliedert worden sind.

In diesem Sinne und nach dieser Zielsetzung waren die Mitglieder des Historischen Vereins für Nördlingen und das Ries seit 1911 75 Jahre lang bis 1986

stets bemüht, die Geschichte des Rieses zu erforschen und einer breiten Öffentlichkeit des Rieses bekannt und bewusst zu machen, und sie haben in diesem Bestreben ebenso viele Freunde wie Förderer ihres Anliegens gefunden.

Für die Durchsetzung dieser Ziele waren besonders die von den Mitgliederversammlungen gewählten Vorstände oder Vorstandschaften besorgt und verantwortlich, an ihrer Spitze die jeweilig ersten Vorstände:

 

Gymnasialprofessor und
städtischer Archivar Ludwig Mußgnug
1911-1934
Apotheker, Pharmazierat
und 2. Bürgermeister Dr. Ernst Frickhinger
1934-1940
Notar Dr. Cornelius Eberhardt  1942-1949
Stadtarchivar Dr. Gustav Wulz  1949-1954
Oberstudienrat Otto Angerer  1954-1969
Brauereibesitzer und
3. Bürgermeister Oskar Schneider 
1969-1972
Oberarchivrat Dr. Dietmar-H. Voges  1972-2005
Musemsleiterin Andrea Kugler M.A.  seit 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist selbstverständlich, dass die genannten ersten Vorsitzenden nur eine Auswahl aller derjenigen sind, die sich ähnlich der Zahl der verdienten Ehrenmitglieder zumeist mit persönlichem Einsatz der Verwirklichung der Ziele des Historischen Vereins angenommen haben. 

Dr. Dietmar-H. Voges

(Aus der Festschrift: 75 Jahre Historischer Verein für Nördlingen und das Ries 1911-1986, Dr. Dietmar-H.Voges, Nördlingen 1986)